Vom 3. bis 6. September 2026 fand der diesjährige Deutsche Flößertag in Wernshausen/Schmalkalden (Thüringen) statt. Ausrichter war der Flößerverein Mittlere Werra-Wernshausen e.V. Insgesamt waren fast 20 Vereine aus ganz Deutschland vertreten, der Flößer-Kulturverein wurde dabei durch die Vorstandsmitglieder Cornelia Meyer und Lisa Walleit repräsentiert.
Am Donnerstag war ab 15:00 Uhr allgemein Begrüßung der teilnehmenden Vereine. Einige Flößer kannten wir bereits von anderer Gelegenheit, insgesamt waren es 150 Teilnehmer. Nach Anmeldung und Begrüßung fuhren wir in unser Hotel, das Waldhotel wurde seinem Namen gerecht und beeindruckte mit Vogelgezwitscher und grüner Kulisse.
Ab 19:00 Uhr war dann das Treffen zum Abendessen im liebevoll geschmückten Kulturhaus. Aus Holz ausgeschnittene Vereinsnamen wiesen uns an unsere Plätze, kleine, 5-jährige Tannenzöglinge fanden sich als Schmuck auf den Tischen, diese Dekorationen durften am letzten Abend mitgenommen werden.
Nach der sehr netten Begrüßungsrede von Martin Spreng, Vorsitzender der Deutschen Flößervereinigung, und Olaf Krech, Vorsitzender des Flößervereins Mittlere Werrra-Wernshausen, gab’s typische Kost aus der Region, Speckknödelsuppe und am Buffet Thüringer Wurst, Kochkäse, Brot und Rohkost.
Am Freitag fand zunächst die Mitgliederversammlung statt, es folgten sehr interessante Vorträge von Dr. Kai Lehmann zur „Lebenswirklichkeit in der Frühen Neuzeit“ und Konrad Storandt zu „Wernshausen und das Holz“. Anschließend wurden wir an die Werra gebracht, bei schönem sonnigem „Altweibersommerwetter“ konnten wir zuschauen, wie die 2 Flöße fertig bestückt wurden.

Auch das Fernsehen war vor Ort, der MDR berichtete später in den Abendnachrichten. Dann konnten auch die Teilnehmer für eine kleine Rundfahrt auf der Werra aufs Floß. Da die Fließgeschwindigkeit des Flusses sehr gering ist und es erstmal auch gegen die Strömung ging, wurden die Flöße durch Staken bewegt. Man sah den Flößern die Anstrengung an, aber gemeinsam ging es ganz gut. Besonders schön war es, dass auch junge Flößer von erfahrenen Flößern zum Staken angeleitet wurden.
Es war gute Stimmung, Essen und Trinken gab’s genug für jeden. Unter großer Begeisterung wurde den ganzen Nachmittag und Abend über ein Wettsägen ausgetragen, die Sieger wurden am folgenden Tag gekürt.
Ein Highlight war die Einweihung des Flößerpfades und des Flößerdenkmals am Eingang des mittlerweile in Schmalkalden eingegliederten Wernshausen. Zusammen mit einem neuen Ortsteilschild begrüßen nun das Metalldenkmal des Künstlers Robert Rost, ein Flößer, der die Arbeit, Anstrengung, Bewegung des Handwerks gut ausdrückt, und Informationsstelen die Besucher des Flößerdorfs. Zudem sind weitere 6 Stationen in ganz Wernshausen verteilt, die über die Geschichte des Ortes, der Flößerei und der Eisenbahn informieren. Eine wunderbare Erfahrung, ein Ausdruck der tollen gemeinsamen Arbeit von Künstlern, Verein, Mitgliedern, anderen Vereinen und der Stadt. Später wurden noch Lichter am Ufer und auf der Werra angezündet. Vor dem einsetzenden Regen waren wir durch Pavillons geschützt und konnten so die Stimmung bei guten Gesprächen, leckerem Essen und Getränken aller Art genießen
Am Samstag durften wir zwischen zwei Aktivitäten wählen, entweder Besichtigung der Sportstätte Oberhof inklusive Bobbahn und einziger Indoor-Loipe Deutschlands oder einem Rundgang mit Stadtführung durch Schmalkalden. Beides sehr interessante Veranstaltungen zur Geschichte des Ortes. Schmalkalden war mitten in der Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Protestanten beteiligt (Stichwort „Schmalkaldischer Bund“), Melanchthon und Luther waren, lebten und wirkten hier („Schmalkaldische Artikel“). Doch ebenso berühmt wie die beiden Reformatoren ist Elisabeth von Thüringen, die ungarische Prinzessin, die im 13. Jahrhundert Landgräfin von Thüringen wurde. Trotz ihres frühen Tods im Alter von 24 Jahren hinterließ sie auch in Schmalkalden ihre Spuren. Sie wurde 1235 auf Grund ihrer Empathie, Nächstenliebe und Armenfürsorge bereits dreiein- halb Jahre nach ihrem Tod von Papst Gregor IX. Heilig gesprochen. Ein kurzer Besuch im Viba, Nougatfabrik in Schmalkalden, war überraschend und viele kamen mit großen Tüten voller Leckereien wieder heraus.

Abends gab’s ein großes Fest, es begrüßten uns Olaf Krech, Vorsitzender des Flößervereins Mittlere Werra-Wernshausen, Landrätin Peggy Greiser, Thomas Kaminski, Bürgermeister von Schmalkalden, und Fabian Amborn, Ortsteilbürgermeister von Wernshausen. Der Vorsitzende der Wernshausener Jagdgenossenschaft übergab als Dankeschön für die gelungene Veranstaltung einen großzügigen Spendenscheck. Auch die teilnehmenden Vereine übergaben ihre Präsente an die Gastgeber.
Ein besonderes Highlight waren auch die vielen Lieder, die der Eisenbahner Frauenchor wunderschön sang.
Zum Abschluss des offiziellen Teils des Festabends übergaben die Werra-Flößer die Fahne an die Flößer aus dem Frankenwald, die Gastgeber des Deutschen Flößertages 2027. Nach gutem Essen fing eine Band an zu spielen, es wurde getanzt, mitgesungen, gefeiert, um 22:00 Uhr sollte Schluss sein, doch erst kurz nach 23:00 Uhr konnten die meisten Gäste davon überzeugt werden, in die Busse zurück zu den Hotels zu steigen. Dort saßen wir dann noch lange draußen zusammen.
Zum Abschied war am Sonntag der ökumenische Gottesdienst in der Stadtkirche St. Georg in Schmalkalden. Ein ganz besonderes Erlebnis war, als die beiden Pfarrer Zwiegespräch über Jesus‘ Rettung des Apostel Paulus aus gekentertem Schiff hielten.
Was ganz besonders aufgefallen ist und uns beeindruckt hat, war die freundliche Stimmung, die der Flößerverein Mittlere Werra Wernshausen ausstrahlt, ihr gemeinschaftliches Engagement, junge und ältere, Männer und Frauen. Sichtbares Zeichen waren die an Zimmerleute angelehnte Kluft der Männer und gleiche Kleidung der Frauen, mal Rock und Bluse in Schwarz und Weiß, oder schwarz-weiß kariertes Kleid, ihre Gleichberechtigung ist erkennbar. Der Verein, das wurde auch bei allen Reden immer wieder betont, ist sehr aktiv und es sind viele Mitglieder an Aktionen beteiligt, Helfer kommen von überall. Sie sind gut vernetzt mit anderen Vereinen, mit der Stadt, Bürgermeister und Landrätin sind Mitglieder, zu dem Fest abends kamen viele Menschen aus Wernshausen. Es war ein beeindruckendes schönes Fest und ein wundervoller Deutscher Flößertag 2026. Der Verein Mittlere Werra-Wernshausen hat großartige Arbeit geleistet!
Der nächste Deutsche Flößertag wird vom 9.–12. September 2027 im Frankenwald (Kronach, Neuses, Unterrodach) stattfinden. Wir halten Sie auf dem Laufenden.
Der Fernsehbeitrag des MDR zum Flößertreffen an der Werra ist in der ARD-Mediathek abrufbar unter: https://www.ardmediathek.de/video/mdr-thueringen-journal/deutsches-floessertreffen-an-der-werra/mdr/Y3JpZDovL21kci5kZS9iZWl0cmFnL2Ntcy9jZmFhMzkzOS03MmFkLTQzYzAtOTM5Yi1mODAwM2IyYzdhMjA